Alle guten Filme sind drei

Winter ist für mich auch immer Kinosaison. Ich möchte euch in diesem Artikel meine drei Kino-Highlights der letzten Monate vorstellen. Filme, die mich bewegt und inspiriert haben und die ihr nicht verpassen solltet! Also, macht es euch im Kinosessel bequem und drei, zwei, eins… Film ab!

How to change the World

Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Victor Hugo

Wie ändert man die Welt? Oder, treffender gefragt, wie ändert man gesellschaftliche Verhältnisse, die die Welt um einen herum zerstören? Und was macht das mit einem, wenn man dabei erfolgreich ist?

Diesen Fragen versucht der Regisseur Jerry Rothwell in seinem packenden Dokumentarfilm How To Change The World – The Revolution Will Not Be Organised auf den Grund zu gehen. Er erzählt dafür die Geschichte der Gründerjahre von Greenpeace in den frühen 1970er Jahren. Die Geschichte der Anfänge vor 45 Jahren wird unglaublich real, da Rothwell sich aus einem riesigen Archiv privater und spektakulärer, bisher unveröffentlichter Filmaufnahmen bedienen konnte.

Der Film zeigt den grenzenlosen Idealismus der Aktivisten, die kluge Nutzung von Medien zur Erregung von globaler Aufmerksamkeit und die rasanten Dynamiken inklusive innerer Konflikten, als Greenpeace zu einer der größten Non-Profit-Organisationen der Welt anwächst.

Aus einer Gruppe von etwa 15 Menschen entstand eine weltweite Umweltschutzorganisation, die auch bisher keine Gelder von Regierungen, Parteien oder der Industrie akzeptiert. Allein in Deutschland gibt es inzwischen rund 590.000 Fördermitglieder zur finanziellen Unterstützung der Arbeit von Greenpeace und 105 Gruppen, in denen sich rund 4.000 Ehrenamtliche engagieren.

Was bedeutet das für eine Gruppe? Wie lassen sich die individuellen Ideale miteinander vereinbaren (oder eben auch nicht)? Und was macht Macht mit den Menschen?

Ein absolut sehenswerter Film über witzige, idealistische, chaotische, professionelle, ernsthafte, radikale und sehr menschliche Menschen, die fast aus Versehen  den vielleicht wichtigsten politischen und kulturellen (Überlebens?)Wendepunkt unserer Zivilisation in den vergangenen 50 Jahren einleiteten.

Ich habe diesen Film auf DVD gesehen, die ihr hier bestellen könnt. Hintergrundinformationen gibt es hier.

Projekt A

Kommt sie im Sonnenblick – Im Sturmgebrüll?
Ich weiß es nicht… doch sie erscheint auf Erden! –
„Ich bin ein Anarchist!“  „Warum?“ „Ich will
Nicht herrschen, aber auch beherrscht nicht werden!“          John Henry Mackay

Die Anarchie geht um in Europa. Ein Schreckgespenst? Eine Utopie? Was bedeutet das überhaupt – Anarchie?

Der Dokumentarfilm Projekt A nimmt dich als Zuschauer mit in die vielschichtige Welt der anarchistischen Projekte Europas und bricht dabei größtenteils mit den gängigen Klischees über Steinewerfer, Chaoten und Sprengstoff. Sprengstoff enthält der Film aber trotzdem, gesellschaftlichen.

Da gibt es unter anderem anarchistisch organisierte Gewerkschaften in Spanien, kostenfreie Krankenhäuser und öffentliche Parks in Griechenland und das Kartoffelkombinat in München zu sehen.

Die Protagonisten im Film wie Hanna, Didac und Makis sind Aktivisten und Anarchisten, sie träumen von einer freien Gesellschaft. Sie entwerfen konkrete Visionen und bauen Inseln einer anderen Welt auf. Sie glauben daran, dass mündige Menschen herrschaftsfrei leben können, ohne Staat, ohne Polizei, ohne Gesetze und Justiz. Eine absurde Vorstellung?

Ihr Leben ist bestimmt vom Ringen aber auch der Kooperation mit Obrigkeiten, ihnen begegnen Vorurteilen und Unverständnis, egal ob in Spanien, Griechenland oder Deutschland. Sie treten für ihre Ideale ein und bleiben trotz aller Rückschläge und Repressionen konstruktiv und wehrhaft. Sie verfolgen den radikalen Ansatz der Anarchie und stellen dabei die Grundprinzipien der herrschenden Weltordnung in Frage.

Damit sind sie nicht mehr allein, denn viele stellen heute den neoliberalen und globalisierten Kapitalismus als zukunftsfähiges Gesellschaftsmodell in Frage. Welche Alternativen gibt es?

Die zwei unabhängige Filmemacher Moritz Springer und Marcel Seehuber ermöglichen mit ihrer Dokumentation den Blick auf eine Bewegung, die das Unmögliche fordert, an den Pfeilern unserer Gesellschaftsstruktur rüttelt und dadurch das Augenmerk auf zentrale ungelöste Fragen unserer Zeit lenkt. Mit einem großen Netzwerk an Freunden und Unterstützern realisieren sie Projekt A und sind selber noch über dessen Erfolg verblüfft. Seit der Film den Publikumspreis beim Filmfest München gewonnen hat, stehen sie nur noch vor vollen Kinosälen.

Ich habe Projekt A bei seiner Dresdner Kinopremiere im kif – Kino in der Fabrik am 11. Februar gesehen, bei der sich nach dem Film noch ein Publikumsgespräch mit dem Filmemacher Marcel sowie der Protagonistin Hanna anschloss.

Eine Hauptaussage der beiden war, dass nur durch die Entwicklung von tragfähigen gesellschaftlichen Alternativen und der unabhängigen Produktion von Gütern eine wirkliche Selbstverwaltung im anarchistischen Sinne möglich ist. Und, dass dafür auch die Kooperation mit Institutionen hilfreich sein kann.

Eine anscheinend provokante These im (überwiegend) anarchistischen Publikum im Saal. Dabei liegt für mich aus meiner Erfahrung in der Nachhaltigkeitsszene auf der Hand, dass ein „DAGEGEN“ auch eine wichtige Position ausdrückt, aber wenig Perspektive hat, wenn es keine Modelle für das „DANACH“ gibt.

Was die Nachhaltigkeitsszene im Gegenzug von den Anarchisten lernen kann? Sich nicht vereinnahmen zu lassen, nicht-hierarchische sowie partizipative Organisationsstrukturen, kreative Subversion und, ja, auch das, wehrhaft bleiben.

Der Film läuft derzeit in Dresdner Kinos. Anarchie trifft Zukunft, schaut ihn euch an! Mehr Informationen zu Projekt A gibt es hier.

Wenn ein Garten wächst

Mein dritter Filmfavorit läuft noch gar nicht in den Dresdner Kinos, macht aber schon große Wellen… oder besser gesagt, trägt schon große Früchte. Der 2014 von Ines Reinisch gedrehte Film Wenn ein Garten wächst hat inzwischen fünf internationale Filmpreise gewonnen, wenn das keine reiche Ernte ist!

Es geht um einen Garten, in der Stadt, genauer gesagt in Kassel. Das klingt nicht nach Abenteuer? Oh doch! Versuch doch mal, dir vorzustellen, dass du und deine Nachbarn morgen einen Garten vor eurem Haus anlegen, einfach so. Du und deine Nachbarn haben keine Ahnung vom Gärtnern und eigentlich habt ihr noch nie ein Wort miteinander gewechselt. Und das soll funktionieren?

So geschah es in Kassel: Nachbarn schnappten sich Spaten, Saatgut und das Stück öffentliche Rasenfläche zwischen ihren Häusern, legten Beete an und wunderten sich, weshalb sie eigentlich vorher noch nie miteinander gesprochen hatten.

Der Garten wächst und mit ihm die individuellen Fähigkeiten und das Gemeinschaftsgefühl in der Nachbarschaft. Ein wunderbares Sommerfest krönt ihren Pinoiergeist, ihre neue Welt, die auch gedanklich neue Horizonte bietet. Ein Idyll mitten in der Stadt mit viel Gemüse! Friede, Freude, Zucchinikuchen!

Doch trifft der Gemeinschaftsgarten auf dem Kasseler Huttenplatz und sein wachsende Treiben nicht bei allen Anwohnern und Behörden auf Zustimmung. Die Erhaltung des Gartens wird zum Kraftakt.

Ein Film über ungewöhnliche Ideen, die fremden Menschen, die neben dir wohnen, Stadtgestaltung durch deren Bürger und wie ein Garten seine GärtnerInnen zur politischen Mitbestimmung heranzieht.

Wenn ein Garten wächst - Kinoankündigung Dresden
Wenn ein Garten wächst – Kinoankündigung Dresden

Kommt vorbei und schaut euch diesen Film zusammen mit mir im Programmkino Ost am Dienstag den 15. März 2016 um 20 Uhr an! Die Regisseurin Ines Reinisch wird anwesend sein und mit Vertretern des Gartennetzwerkes Dresden nach dem Film für ein Poblikumsgespräch zur Verfügung stehen. Bitte vorher unter diesem Link Karten reservieren!

Mehr Informationen zum Film gibts hier. Und jetzt Gartenschaufel weg legen, bequem machen, Film ab!

Was waren eure Lieblingsfilme in diesem Winter?

Ein Gedanke zu „Alle guten Filme sind drei“

  1. Liebe Julia,
    ganz herzlichen Dank für diesen Artikel. Ich freue mich schon auf den dritten Film, wenn er bei den „Seitentrieben“ im Hecht-Garten gezeigt wird. Vielleicht sehen wir uns ja dort?
    Obwohl ich kein großer Film-Seher und Kino-Gänger (mehr) bin, war ich im März gemeinsam mit meinem Mann im TiF bei „Grüße aus Fukushima“. Besonders beeindruckend fand ich die künstlichen Terrassen = „Neue Landschaften“, die entstanden sind aus Bergen von Müll-Säcken mit verseuchter Erde. Auch sonst ist der Film sehr sehenswert.
    Herzliche Grüße für Dich
    und noch viel Freude an Deinen wunderbaren Projekten,
    bis bald 🙂
    Andrea

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