ARTS World Café beim Umundu Festival 2014

Weniger als eine Woche nach der Kick-off Veranstaltung im IÖR veranstaltete das Dresdner Forscherteam von ARTS am 18. Oktober ein World Café beim dem diesjährigen Umundu Festival Symposium. Einen Erfahrungsbericht und die Ergebnisse findet ihr hier.

Umundu Symposium

Wenige Tage nach der öffentlichen Vorstellung des ARTS Projektes im Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) Dresden startete das Umundu Festival 2014. Dieses Festival befasst sich mit global fairem Konsum und fand dieses Jahr inzwischen zum sechsten Mal statt. In den letzten Jahren haben sich die angebotenen Veranstaltungen vervielfältigt. So kamen dieses Jahr zur bisher üblichen Festivalwoche mit dezentralen Veranstaltungen in ganz Dresden und dem eintägigen Festivalmarkt noch ein dreitägiges Symposium dazu. Bei diesem Symposium wurde vertieft auf das Festivalthema eingegangen. Das Thema von Umundu hieß dieses Jahr „Das gute Leben – Was brauchen wir für unser Glück?“.

ARTS World Café

Im Rahmen dieses Symposiums hatte auch das ARTS Team eine Veranstaltung angemeldet. Unter dem Titel „Einfach nur Glück? Unterstützung und Beschleunigung lokaler Initiativen“ wollte das Team ein World Café veranstalten. Bei einem World Café liegen meist verschiedene Fragestellungen auf verschiedenen Tischen, wortwörtlich. Die Teilnehmer finden sich an einem Tisch zusammen, diskutieren die Fragen und sammeln Ideen. Einer von ihnen dokumentiert das Gesagte auf einem großen Blatt Papier auf dem Tisch. Nach einer bestimmten Zeit wechseln alle bis auf den Schriftführer den Tisch, finden sich in einer neuen Gruppe zusammen und beraten über eine neue Frage.

Beschriebene Tischdecke beim World Café Photo: Julia Leuterer
Beschriebene Tischdecke beim World Café
Photo: Julia Leuterer

Der Vorteil dieser Methode ist, dass man in relativ kurzer Zeit sehr viele Anregungen von einer Vielzahl von Menschen sammeln kann, ohne eine riesige Gruppendiskussion moderieren zu müssen. In kleinen Gruppen trauen sich manche eher etwas zu sagen als im großen Kreis. Außerdem sieht man, was die Gruppe davor bereits gesammelt hat und kramt daher noch tiefer in seinen Ansichten und Erfahrungen und ist kreativ gefordert, da vieles vielleicht schon gesagt wurde. Daher können Fragestellungen auch sehr tiefgehend bearbeitet werden.

Vorstellung des ARTS Projektes Photo: Julia Leuterer
Vorstellung des ARTS Projektes
Photo: Julia Leuterer

Bevor es mit dem eigentlichen World Café los ging, stellte sich das ARTS Team mit Andreas Blum, Franziska Ehnert, Kristin Reiß und Marcus Egermann vor. Marcus Egermann erklärte anschließend Anliegen und Inhalte des ARTS Projektes und beantwortete noch offene Fragen aus dem Publikum. Franziska Ehnert und Kristin Reiß erklärten anschließend, wie ein World Café funktioniert und welche drei Fragen sie bearbeiten möchten.

Agenda des World Cafés Photo: ARTS Team
Agenda des World Cafés
Photo: ARTS Team

World Café Fragen

Die drei Fragen, die das Forscherteam ausgewählt hatte, ergaben sich zum Teil aus der Kick-off Veranstaltung am 14. Oktober. Eine der Fragen aus der Runde damals war, was ARTS denn eigentlich unter Nachhaltigkeit versteht. Natürlich ist das nicht nur eine spannende Projektfrage. Jeder der sich für Nachhaltigkeit interessiert oder engagiert sollte sich öfter mal ein genaueres Bild davon machen, was das sein soll oder wo es denn eigentlich hin gehen soll. Ein Vorschlag aus dem Publikum war auch gewesen, einmal die inneren Bewegungen und Veränderungen von Engagierten für eine zukunftsfähige Entwicklung zu erkunden. Wieso investiert jemand Energie, Zeit und Geld in Nachhaltigkeitsinitiativen? Wo kommt die Motivation her und woher die Inspirationen? Die dritte Frage beinhaltet die Forschungsfrage von ARTS, nämlich was es in Dresden braucht für eine Beschleunigung des Wandels.

Die drei Fragen des World Café waren also:

  • Was verstehen die Akteure unter dem Begriff der Nachhaltigkeit und was bedeutet er für Dresden?
  • Was sind die Motivationen und woher kommen die Inspirationen der Akteure in Dresden?
  • Was unterstützt und hemmt einen stadtregionalen Wandel in Dresden ?

Natürlich kann ich nicht alles, was in der dreistündigen Veanstaltung von 30 Teilnehmern gesagt wurde hier wiedergeben. Das ARTS Team hat aber eine vollständige und übersichtliche Zusammenstellung des Ergebnisse veröffentlicht, die ihr euch hier ansehen könnt: Zusammenfassung der Ergebnisse

Meine Eindrücke zu den Gesprächen

Ich nahm an der Veranstaltung einerseits als Bloggerin für ARTS teil, andererseits auch als Akteurin für einen Wandel in der Stadt. Ich fand es extrem spannend, wie schnell wir tief in diese komplexen Fragen einsteigen konnten und wie viele abstrakte und persönliche Ebenen mit in die Sammlung einflossen.

Ein Effekt der Veranstaltung war auf jeden Fall, dass sich die Initiativenvertreter selber einmal reflektierten in ihrem Verhalten, ihren derzeitigen Potentialen und Begrenzungen. Es war schön und verbindend, sich mit anderen Akteuren einmal in einer solchen Meta-Unterhaltung wiederzufinden und sich zu fragen, wieso machst du das eigentlich hier? 🙂

Das Blatt mit den Ideensammlungen zur Nachhaltigkeit war das am meisten gefüllte, denn Nachhaltigkeit umfasst per se alles. Von sozialen Gesichtspunkten, Wirtschaftsfaktoren und -systemen, umweltverträgliches Leben, Konsum, Lebensqualität, Spiritualität, usw. usw. … alles eben. Andreas Blum versuchte, die Antworten zu ordnen, was bei diesem Komplex von miteinander verbundenen Aspekten nicht leicht ist.

Ergebnisse zur Nachhaltigkeitsdefinition Photo: ARTS Team
Ergebnisse zur Nachhaltigkeitsdefinition
Photo: ARTS Team

Besonders interessant fand ich die Frage zur inneren Motivation und Inspiration. Viele Anwesende meinten, dass sie in dem Engagement für einen nachhaltigen Wandel ein produktives Ventil für ihre Unzufriedenheit mit dem bestehenden System gefunden haben. Viele haben vorher aktiv gegen Umweltzerstörung, soziale Ungerechtigkeit oder ähnliche systemische Misstände protestiert und tun dies zum Teil immer noch. Durch ein Engagement für ein anderes System gewinnt dieser z.T. ermüdende Kampf etwas positives und schöpferisches.

Durch ein Engagement für den Wandel arbeiten die Akteure mit Gleichgesinnten zusammen und fühlen sich manchmal zum ersten Mal verstanden mit ihren Sorgen um die Menschheit und seine Umwelt.

Es kam auch auf, dass wir in den reichen, westlichen Ländern noch in einer Komfortzone leben, in der die von uns ausgelösten Krisen noch nicht existenziell sind wie z.B. in den Ländern des Südens oder in Südeuropa. In dieser Komfortzone können wir noch verschiedene alternative Systeme ausprobieren, während andere schon keine Wahl mehr haben. So können wir uns einen Werkzeugkasten für Nachhaltigkeit zusammensetzen, der uns später mehr Handlungsoptionen lässt und den wir mit anderen teilen können.

Inspirationen suchen sich die Akteure vor allem bei anderen Aktiven in Dresden, Deutschland und weltweit. Durch die globale Vernetzung bestehen enge Verbindungen zu Gleichgesinnten überall. Durch gegenseitige Besuche, Vorträge, Seminare, Publikationen, Kooperationen und Versammlungen werden Erfahrungen und Wissen ausgetauscht. Das Lernen am Beispiel bestehender Lösungen und Modelle scheint eine der Hauptinspirationen der Dresdner Akteure zu sein.

Zu der Forschungsfrage von ARTS, nämlich was fördert oder hemmt einen Wandel in Dresden, gab es auch interessante Ein- und Ansichten. Wir stellten fest, dass wir als Akteure des Wandels auch eine Nieschenkultur darstellen, die sich auch bewusst oder unbewusst von anderen abgrenzt. Das hemmt die Verbreitung unserer Ideen und Aktionen.

Auch meinten einige, dass ihnen die fehlende gesellschaftliche und finanzielle Anerkennung ihres Engagements für ein zukunftsfähiges Leben zu schaffen macht.

Aufgefallen war vielen auch, dass mit niederschwelligen Angeboten, die nicht sofort mit der Informations- oder Moralkeule kommen, sehr viel mehr Menschen erreicht werden können. So kommen bei einem einfachen Grillabend im Gemeinschaftsgarten alle möglichen Menschen zusammen, die nicht unbedingt zu einem Vortrag über urbane Landwirtschaft erschienen wären.

Ergebnisse zur Förderung und Hemmnissen eines Wandels in Dresden Photo: ARTS Team
Ergebnisse zur Förderung und Hemmnissen eines Wandels in Dresden
Photo: ARTS Team

Danach stellten die Schriftführer ihre Diskussionsergebnisse allen vor und wir konnten ergänzen. Nach einer Rückmeldung zu der Veranstaltung endete diese überraschend tiefgehende Veranstaltung und ich hatte das Gefühl, wir haben uns alle ein bisschen besser kennen gelernt.

Vorstellung aller Ergebnisse Photo: Julia Leuterer
Vorstellung aller Ergebnisse
Photo: Julia Leuterer

Deine Ideen zu den Fragen

Das waren einige der Punkte, die ich spannend fand. Was sagen die, die auch bei dem World Café dabei waren? Was ist bei euch als neu oder interessant hängen geblieben? Und was sagst du, liebe Leserin, lieber Leser? 🙂 Was fällt dir bei diesen drei Fragen ein? Wir freuen uns über gemeinsame Gespräche.

In diesem Sinne, frohes Nachdenken und Austauschen.

Julia

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