Eine Konferenz über die Zukunft Dresdens

Am letzten Samstag den 21. Mai fand die Dresdner Zukunftskonferenz als Abschluss der Phase I im Projekt Zukunftsstadt Dresden 2030+ statt. Über 120 TeilnehmerInnen folgten der Einladung des Projektleiters und den Kooperationspartnern in den Konferenzsaal des Dresdner Rathauses. Dabei wurde der Prozess zur Visionsfindung rückblickend reflektiert und das dabei entstandene Zukunftsbild vorgestellt.

Ziel der Zukunftskonferenz war es, die Vorgehensweise und Ergebnisse aus der ersten Projektphase der Zukunftsstadt Initiative angeregt durch das BMBF vorzustellen. Ablaufplan der Konferenz

Leiter der Projektphase I der Zukunftsstadt Dresden 2030+  Norbert Rost eröffnete die Zukunftskonferenz Bild: Landeshauptstadt Dresden
Leiter der Projektphase I der Zukunftsstadt Dresden 2030+ Norbert Rost eröffnete die Zukunftskonferenz
Bild: Landeshauptstadt Dresden

Grußwort vom Oberbürgermeister

Oberbürgermeister Dirk Hilbert begrüßte die Teilnehmenden und sagte in seiner Eröffnungsrede, dass die Bürger dieser Stadt gemeinsam eine Vision für die Zukunft entwickeln sollten, die uns wieder stolz auf Dresden blicken lässt. Die Zukunftsstadt Initiative sei einer der Wege dorthin und er äußerte sich beeindruckt über das, was in den 9 Monaten Projektphase von Juli 2015 bis März 2016 alles erreicht wurde.

650 visionäre DresdnerInnen, 24 Zukunftswerkstätten mit 50 einladenden Kooperationspartnern, 714 Ideen und Meinungen aus den Zukunftsbahnen, 70 Visionsbilder

Dresden war Mitte 2015 als eine von 51 Städten aus 168 Bewerbungen von einer Jury für eine Förderung im Städtewettbewerb Zukunftsstadt ausgewählt worden. Insgesamt fanden 24 Ideenwerkstätten zu konkreten Themen wie Bildung, Mobilität, IT, Ernährung und soziales Miteinander statt, die von 50 lokalen Kooperationspartnern organisiert wurden. Etwa 650 Menschen kamen zu diesen Workshops um ihre Ideen für ein Dresden der Zukunft bei zu steuern. Heraus kamen über 70 Visionsbilder und Mottos für eine nachhaltig funktionierende Stadt im Jahr 2030. Der  Zwischenergebnisse Zukunftsstadt 2030+ Dresden fasst den Prozess und die Ergebnisse der Phase I kurz und anschaulich zusammen.

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Wie werden Europas Städte zukunftsfähig?

Die Hauptrede hielt Dr. Eike Wenzel vom Institut für Trend- und Zukunftsforschung (itz) zu der Frage Zukunftsforschung: Wie werden Europas Städte zukunftsfähig? Seiner Ansicht nach sollten wir die beobachteten soziologischen Megatrends, an denen wir nicht vorbeikommen, als Kompass für unsere Weiterentwicklung nutzen. Seine Präsentation stellte diese Trends unsere Gesellschaft betreffend dar. Unter den 15 Megatrends, die unser Leben grundlegend verändern werden, nannte er unter anderem die Urbanisierung und Digitalisierung, demografische Entwicklungen, Individualisierung der persönlichen Entfaltung bei gleichzeitiger Zunahme von Gemeinschaftlichkeit, Anbau von Lebensmitteln mit mehr Technik und weniger Landverbrauch. Außerdem müssten die sozialen Fragen wie z.B. die immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich  in der Politik der nahen Zukunft ernster genommen werden. Städte mit Zukunft müssten außerdem „sechs ewige Wahrheiten“ anerkennen.

Wie werden Europas Städte zukunftsfähig? Bild: Landeshauptstadt Dresden
Wie werden Europas Städte zukunftsfähig?
Bild: Landeshauptstadt Dresden

Eine kritische Anmerkungen aus dem Publikum kam zu seiner These zum Thema Nachhaltigkeit, wobei er meinte, es müsse weiterhin Wertschöpfung und Wachstum geben und man dieses eben nur vom Ressourcenverbrauch entkoppeln müsste. Über die Frage, wie genau das funktionieren soll oder ob das ein erstrebenswertes Zukunftsziel ist, bestand wohl keine Klarheit unter der Anwesenden.

Eine andere Stimme aus dem Publikum fragte, wie wir uns aus der Identifikation in Nachbarschaften lösen und uns wieder zusammen als Dresdner verstehen könnten. Herr Wenzel meinte hier interessanterweise , dass sich überall beobachten lässt, dass Menschen sich eher in Ihrem Kiez einbringen, als in der gesamten Stadt.

Entwicklung des Zukunftsbildes

Nach einer kurzen Pause stellte Dr. Markus Egermann den bisherigen Prozesses im Projekt vor. Er begründete die Frage, wozu wir eine Stadt mit Zukunftsvision brauchen mit dem analytischen Befund, das unser jetziger Lebensstil systemisch unnachhaltig ist. Aus diesem Grund brauchen wir eine Neuausrichtung für unsere Gesellschaft.

In seinem Vortrag zeigte er auf, wie aus den zahlreichen Meinungen, Visionsbildern und Notizen das Zukunftsbild entwickelt wurde.

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Markus Egermann bewunderte, wie viel innerhalb der Projektphase I auf die Beine gestellt werden konnte, obwohl der bisherige Prozess schlecht mit Ressourcen ausgestattet war. Bei den eingesammelten Zukunftswünschen und Visionen der DresdnerInnen fiel ihm auf, dass am meisten das Leben in aktiven, sich selbst gestaltenden Nachbarschaften thematisiert wurde.

Der zentrale Fokus für die künftige Entwicklung Dresdens liegt auf einer nachhaltigen Entwicklung und dem Einsatz vorbildhafter Bürgerbeteiligungs-Modelle, mit denen die Dresdner ihre Stadt als mündige Bürger selbst gestalten und dabei auf wissenschaftliche Erkenntnisse von Forschern und Bürgerwissenschaftlern gleichermaßen setzen.

Dr. Markus Egermann

Das Zukunftsbild für Dresden

Nach einer kurzen Pause stellte Prof. Jörg Rainer Noennig vom Fachbereich Wissensarchitektur der Technischen Universität Dresden (TUD) das entstandene Zukunftsbild – Version 1.0 vor.

Vorstellung des Zukunftsbildes Bild: Landeshauptstadt Dresden
Vorstellung des Zukunftsbildes durch Prof. Jörg Rainer Noennig
Bild: Landeshauptstadt Dresden

Aus seiner Sicht glich der Entwicklungsprozess einer Blackbox, da alle Beteiligten ohne konkrete Vorstellung dessen, wie das Zukunftsbild sein wird oder zustande kommt, in den Prozess gegangen sind und unterwegs immer wieder geschaut haben, wie die Impulse der DresdnerInnen eingesammelt, verarbeitet und dargestellt werden können.

Auszug aus der Prätentation des Zukunftsbildes durch Noennig Bild: www.dresden.de/media/pdf/zukunftsstadt/Zukunftskonferenz_Dresden_JRNoennig.pdf
Wie entsteht aus über 1.000 Ideen ein Bild?
Bild: www.dresden.de/media/pdf/zukunftsstadt/Zukunftskonferenz_Dresden_JRNoennig.pdf

Für Prof. Noennig ging es bei der Initiative Zukunftsstadt nicht vordergründig darum, ob wir in die Phase II des BMBF-Projektes kommen.

Mir ist wichtig, dass wir eine Vision entwickeln, die uns alle antreibt, sodass wir die Umsetzung unserer Vision in die Realität selber mit in die Hand nehmen.

Prof. Jörg Rainer Noennig

Anschließend erläuterte er die 5 verschiedenen Ebenen des entwickelten Zukunftsbildes.  Dieses Bild umfasst fünf Handlungsfelder, die von der Mikro-Ebene – der Perspektive des einzelnen Bürgers – bis hin zur Makro-Ebene des globalen Denkens reichen:

  1. Selbstverantwortung: In Dresden herrscht eine Vielfalt der (Sub-)Kulturen auf Basis einer „Kultur des respektvollen Miteinanders“, was alle als Win-Win-Situation wahrnehmen. Gemeinsam wird in nachbarschaftlichen Initiativen daran gearbeitet, den ökologischen Fußabdruck der Stadt zu verringern und die Ressourcenansprüche den regionalen und globalen Rahmenbedingungen anzupassen. Auch zwischen den Institutionen der Stadt existiert eine intensive Kooperationskultur.

    Selbstverantwortung Grafik: Katrin Stephan und Benjamin Hermsdorf
    Selbstverantwortung
    Grafik: Katrin Stephan und Benjamin Hermsdorf
  2. Nachbarschaftliche Verantwortung: Viele Nachbarschaften bilden eine Stadt und das Leben in Dresden ist kein anonymes Dasein mehr, sondern ein nachbarschaftliches Miteinander in gut durchmischten Stadtteilen. Die Menschen identifizieren sich mit ihrem Kiez, haben aber auch die Entwicklung der Gesamtstadt mit im Blick und als Ziel. 2030 erscheint Dresden noch grüner als jetzt durch die zahllosen Radwege und die Entwicklung hin zur verbrennungsmotor-freien und ruhigen Stadt der kurzen Wege.

    Nachbarschaftliche Verantwortung Grafik: Katrin Stephan und Benjamin Hermsdorf
    Nachbarschaftliche Verantwortung
    Grafik: Katrin Stephan und Benjamin Hermsdorf
  3. Regionale Verantwortung: Die Stadt Dresden ist widerstandsfähig gegenüber Krisen und negativen Einflüssen wie z. B. Hochwassern, globale Finanz- und Wirtschaftskrisen oder auch Energie-Engpässe geworden. Diese Widerstandsfähigkeit besteht hauptsächlich in der starken Zusammenarbeit zwischen der Stadt und den umliegenden Regionen. Dresden hat sich als „Solar City“ einen Namen gemacht und der regionale Versorgungsgrad mit existenziellen Waren wie z.B. Nahrung, Kleidung und Energie liegt bei 73 Prozent.

    Regionale Verantwortung Grafik: Katrin Stephan und Benjamin Hermsdorf
    Regionale Verantwortung
    Grafik: Katrin Stephan und Benjamin Hermsdorf
  4. Gesellschaftliche Verantwortung: Entscheidungsprozesse in der Stadt basieren auf einer „Kultur der Bürgerbeteiligung“ und der „exzellenten Bürgerwissenschaft“, die europaweit Vorbild-Charakter hat. Die DresdnerInnen verstehen sich selber als nachhaltige, sich selbststeuernde Stadtgesellschaft. Alle Milieus werden in Beratungs- und Entscheidungsprozesse des Stadtlebens mit einbezogen und das auf allen Ebenen (zwischenmenschlich, in Nachbarschaften und Stadtteilen, der Stadt als Ganzes, in der regionalen Kooperation sowie der globalen Zusammenarbeit). Jeder Dresdner Bürger begreift sich im Alltag als Forscher, als „Citizen Scientist“. Die DresdnerInnen sagen stolz dazu „Diese Stadt gestalten wir selbst!“

    Gesellschaftliche Verantwortung Grafik: Katrin Stephan und Benjamin Hermsdorf
    Gesellschaftliche Verantwortung
    Grafik: Katrin Stephan und Benjamin Hermsdorf
  5. Globale Verantwortung: Dresden richtet sein lokales Handeln an den globalen Herausforderungen und den UN-Nachhaltigkeitszielen aus. StadtbotschafterInnen bereisen mit Jahresstipendien die Welt und stellen die in Dresden entwickelten sozialen und technischen Innovationen global zur Verfügung. Gleichzeitig nehmen sie Inspirationen auf und bringen neue Impulse zur Weiterentwicklung mit zurück in die Stadt. Ein „Haus der Kompetenzen/Haus der Nachhaltigkeit“ ist Dresdens Schnittstelle der Nachhaltigkeit und Brücke zur Welt.

    Globale Verantwortung Grafik: Katrin Stephan und Benjamin Hermsdorf
    Globale Verantwortung
    Grafik: Katrin Stephan und Benjamin Hermsdorf

Stimmen zum Zukunftsbild

Nach der Vorstellung der entstandenen Zukunftvision positionierten sich verschiedener Akteure aus den Bereichen Stadtverwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zum Zukunftsbild.

Für den Bereich Politik und Verwaltung sprach Dr. Robert Franke aus dem Büro des Oberbürgermeisters und Amtsleiter der Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Dresden. Er stelle anerkennend fest, dass der BMBF-Wettbewerb die Zukunftsdiskussion in Dresden nicht ausgelöst, sondern positiv verstärkt hat. Er sprach sich für die Stärkung von städtischen Nachbarschaften und für die Schaffung von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für ein Wachstum der Stadt aus. Gleichzeitig sollten wir die Beziehungen mit dem Dresdner Umland intensivieren und uns für nachhaltige Mobilität in der Region einsetzen. Er sieht diese Entwicklung eingebettet in einen partizipativ gestalteten Entwicklungsprozess. Hierzu hätte der Zukunftsstadt-Prozess schon sehr gute Vorarbeit geleistet.

Die Teilnahme an dem Zukunftsstadt-Wettbewerb ist für Dresden eine riesige Chance, die vorhandenen Potenziale noch besser zu nutzen. Auf der einen Seite gibt es beispielsweise eine Vielzahl hervorragender wissenschaftlicher Einrichtungen, auf der anderen Seite eine engagierte, kreative Bürgerschaft, die ihre Stadt nachhaltig mit entwickeln möchte. Der Wettbewerb bietet ihnen die Möglichkeit, sich einzubringen.

Dr. Robert Franke

Für die Wissenschaft in Dresden äußerte sich Prof. Dr. Bernhard Müller, Vorstand und Direktor des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung (IÖR). Er meinte wir brauchen zur Umsetzung unserer Zukunftsvisionen vor allem mutiges Vorangehen durch einflussreiche Persönlichkeiten, vor allem Politiker. Wir müssen mit innovativen Gedanken und mehr Mut, hohe Ziele definieren und klare Handlungsaufträge wie z.B. „Grünste Großstadt“ formulieren, die uns zu unserem Ziel führen. Um diesen Übergang vom Heute ins Morgen positiv mitgestalten zu können, sollten wir mehr Offenheit Fremdem und Fremden gegenüber entwickeln.

Aus dem Wirtschafts-Sektor meinte Thomas Reppe von Dresden 2030 & beyond und IMA meinte die DresdnerInnen müssten zeigen, was ihre Stadt drauf hat, ihre Potentiale erkennen und diese zukunftsfähig weiterentwickeln. So bleiben wir  wettbewerbsfähig mit anderen Städten.

Und für die zivilgesellschaftlichen Initiativen in Dresden sprachen Kathleen Schkade und Sascha Kornek von Sukuma Arts e.V. Sie meinten, Dresden könne sich aus anderen Metropolen der Welt die Kultur der Bürgerbeteiligung und Kooperation abschauen und sollte seine Entwicklung auf die Erfüllung der 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Agenda 2030 ausrichten.

Wie geht es jetzt weiter? Wir wollen Real-Laboren entwerfen, einfordern und durchführen und sind für die Stärkung bestehender Initiativen in Dresden.

Kathleen Schkade und Sascha Kornek

Wie geht es weiter?

Das Zukunftsbild – Version 1.0 steht nun zur Diskussion und zur Weiterentwicklung bereit. Unabhängig davon, ob Dresden für die Phase II des BMBF-Projektes Zukunftsstadt gewählt wird, hat der Prozess in Phase I schon viele Brücken geschlagen zwischen DresdnerInnen in Stadtverwaltung, Forschung, Wirtschaft und zivilgesellschaftlichen Initiativen.

Die Zukunftskonferenz widmete sich am Nachmittag der Frage, wie es jetzt weiter geht. In vier kurzen Workshops konnten sich die Teilnehmenden zu dem Zukunftsbild positionieren und die Vision auch schon weiter spinnen.

Wie geht es weiter? Bild aus dem World Café am Nachmittag der Zukunftskonferenz Bild: Landeshauptstadt Dresden
Wie geht es weiter? Bild aus dem World Café am Nachmittag der Zukunftskonferenz
Bild: Landeshauptstadt Dresden

Aber anstatt Euch deren Ideen vorzustellen, möchte ich Euch hiermit zum selber nachforschen und gestalten einladen und frage Euch daher lieber direkt:

  • Was motiviert Euch, für eine nachhaltige Zukunft aktiv zu werden?
  • Wie können wir die Diskussion und Entwicklung des Zukunftsbildes in die Stadt tragen?
  • Wie können wir die Beteiligung der Dresdner Bürger an Entscheidungsprozessen weiter entwickeln?
  • Welche großen Hemmnisse seht Ihr, um Dresden zukunftsfähig werden zu lassen? Und wie können wir sie überwinden?
  • Welche Hoffnungen und Ängste verbindet Ihr mit dem Zukunftsbild?
  • Auf welche Gefahren und Krisen sollte Dresden sich einstellen?
  • Welche Aktivitäten in Richtung des Zukunftsbildes seht Ihr schon in der Stadt?  Und wie können wir diese stärken?

Was seht Ihr in unserer Zukunft?

wordle

2 Gedanken zu „Eine Konferenz über die Zukunft Dresdens“

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