photo credit: Die Elbe via photopin (license)

Gesellschaft im Wandel – Dresden im Wandel

Vielleicht kennt ihr das: da gibt es diese Runden, wo ewig in theoretischen Modellen geschwelgt wird und dann wieder das Zusammensein der Praktiker, welche einfach nur machen wollen. Tatsächlich läßt sich dies aber wunderbar verbinden: theoretische Modelle können uns als „Landkarten des Seins“ helfen, Entscheidungen in der Praxis zu treffen und Ziele umzusetzen.

Gesellschaft im Wandel – warum beschäftigen wir uns damit?

Bei einem Einstieg in das Thema „Transition Towns“, also den Städten im Wandel, wird man wahrscheinlich früher oder später mit dem Werk von Rob Hopkins „Energiewende – das Handbuch – eine Anleitung für zukunftsfähige Lebensweisen“ in Berührung kommen. In dem Werk wird anschaulich aufgezeigt, dass wir den Klimawandel und das Ölfördermaximum (Peak Oil) nicht getrennt betrachten dürfen.

Wir leben in einer Zeit der Spezialisierung. Dadurch betrachten wir die Dinge oftmals sehr punktuell oder fragmentiert und können uns auch nur in diesem Umfang damit beschäftigen, wenn Probleme auftauchen. So führt Hopkins im Energiewende-Handbuch aus:

„Ganz unbegreiflich ist mir eine Tendenz der letzten Jahre, dass manche im Klimawandel engagierte Aktivisten von einem Ölfördermaximum nichts wissen wollen und dass andererseits Aktivisten, die über das Peak-Oil-Problem aufklären, die Probleme des Klimawandels herunter spielen, als wollte jede Gruppe ihr angestammtes Terrain gegen die Konkurrenz verteidigen.“ *1

Betrachten wir nur eine Seite der Medaille, also nur „Klimawandel“ oder nur „Peak Oil“, dann besteht die Gefahr, dass wir zu einer Lösung gelangen, welche das Problem auf der anderen Seite der Medaille verstärkt. Um nur ein Beispiel zu nennen: Die Lösung von Peak Oil kann daher nicht in der Verflüssigung von Kohle liegen, da dieses sich negativ auf den Klimawandel auswirken würde.

Ich meine, wir sollten an dieser Stelle nicht stehen bleiben und nachdem wir die beiden Pole „Klimawandel“ und „Peak Oil“ miteinander verbunden haben, noch weiter zurücktreten und das Gesamtgebilde betrachten, welches sich uns erschließt:

Klimawandel, Peak Oil, Weltmeere voller Plastikmüll, Bodenknappheit, ungesunde Lebensmittel, Bienensterben, Aluminium, Sandknappheit, Schmelzen der Methan-Vorkommen in den Weltmeeren, explodierende oder unsichere Atomkraftwerke, ungleiche Vermögensverteilung, Flüchtlingsströme, Wasserknappheit, Burnout, Depressionen, Traumata, Unruhen und Kriege, und und und …

Wir leben in Zeiten einer gesellschaftlichen Krise globaler Natur.
Oder kurz: in einer Systemkrise.

Da uns keine fremde Zivilisation – von der Meinung einiger Verschwörungstheorien abgesehen – vorgegeben hat, wie wir auf diesem Planeten zu leben haben, sind wir Menschen es, die dieses globale System geschaffen haben. Mit unserem Bewusstsein haben wir dieses System geschaffen, welches nun in einer umfassenden Krise steckt. Daher können wir auch von einer Bewusstseinskrise sprechen. *2

Festzuhalten bleibt an dieser Stelle zunächst einmal, dass wir so etwas, wie ein „systemisches Verständnis“ von den Gegebenheit der Zeit, mit ihren Problemen, aber auch Möglichkeiten, erlangen müssen. Nur so können wir vermeiden, dass wir Veränderungen an einer Stelle anstoßen, welche an anderer Stelle nur noch mehr Probleme aufwerfen.

Da keiner von uns ein umfassenden Blick auf alles haben kann, braucht es hier vor allem eines: Kooperation. Dabei wird es allerdings mehr als „nur“ ein Gemeinschaftsgefühl und möglichst viele Netzwerke brauchen. Das Leben auf diesem Planeten ist ein Kaleidoskop natürlicher Hierarchien, von Systemen in Systemen in Systemen in Systemen usw. usf. Wir können auch sagen, es handelt sich um ein System mit multiplen Ebenen verwoben zu einem universell-holistischen System.

Ko-Operation – nicht einfach nur ein WIR

Kooperation (lateinisch cooperatio ‚Zusammenwirkung‘, ‚Mitwirkung‘) ist das zweckgerichtete Zusammenwirken von Handlungen zweier oder mehrerer Lebewesen, Personen oder Systeme, in Arbeitsteilung, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. *3

Kooperation ist nicht einfach nur ein Wir-Gefühl. Natürlich, manchmal brauchen wir dieses Gefühl, ich bin nicht allein mit meinen Meinungen, meinen Ansichten und vor allem auch nicht mit meinen Gefühlen. Da draußen gibt es noch andere Menschen, die ähnlich sind, ähnlich denken, ähnlich fühlen. Und manchmal ist dieses „Wir“ so richtig kuschelig, man mag sich, man feiert sich, man fühlt sich geborgen.

Kooperation geht aber darüber hinaus! Bei Kooperation geht es darum, ein gemeinsamen Ziel zu erreichen, die unterschiedlichen Fähigkeiten und Bedürfnisse des Einzelnen zu würdigen und einzusetzen.

Während es bei WIR-Gemeinschaften eher um den Gemeinschaftsaspekt, wo alle gleich sind, geht, setzen gesunde Kooperationen eher darauf, dass gerade aufgrund unserer Unterschiede jeder den für ihn richtigen Platz einnimmt und sich von da aus einbringen kann. So wird er zum Teil des Ganzen. Als erster Schritt ist es wichtig, dass unter allen Beteiligten Klarheit herrscht, welches überhaupt „das gemeinsame Ziel“ ist. Idealerweise haben wir dabei ein so starke Zukunftsvision, dass diese in jedem von uns lebendig ist.

Eine lebendige Zukunftsvision – Wo wollen wir hin? Wo können wir hin? 

Dies soll nächster Teil meiner Betrachtungen in diesem Blog sein …

 

Fußnoten:

*1 Seite 36, Rob Hopkins, Energiewende. Das Handbuch: Anleitung für zukunftsfähige Lebensweisen, 2008, Verlag: Zweitausendeins

*2 vgl. Video „Kapitalismus 3.0“, Impulsvortrag von Prof. Dr. Claus Otto Scharmer auf der Eröffnungsveranstaltung der Triodos Bank Deutschland am 2. Dezember 2009 in Frankfurt am Main

*3 aus Wikipedia, Stichwort „Kooperation“

Titelbild photo credit: Die Elbe via photopin (license)

4 Gedanken zu „Gesellschaft im Wandel – Dresden im Wandel“

  1. Danke Andreas – ja und Dresden kann eine positiv beschleunigende Rolle spielen. Kommen an diesem Ort nicht nur Kunst, Technologie und Wissenschaft zusammen sondern ist mit dem von der UN und UNESCO für 2015 ausgerufenen International Year of Light auch in Dresden mit dem Dresdner Lichtjahr, http://Dresdner-Lichtjahr.de #LichtjahrDD ein Dreh- und Angelpunkt, der das Gespräch und Akteure aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammenbringt bei etwas, was alle bewegt:

    LICHT (wie auch auf dem obigen Foto des Blogposts zu sehen)

    PS.: Der MOOC „U.Lab: Transforming Business, Society and Self“ mit Otto Scharmer ist zwar vorbei, doch die Verbindung mit Dresden bleibt https://twitter.com/search?f=realtime&q=dresden%20%23ULab&src=typd – Dresden U.Lab Hub trifft sich zum nächsten #Dialogmiteinander um 17 Uhr am Albertinum

  2. Kann Kooperation in einer Konkurrenzumwelt entstehen? Ich fand da ja die Untersuchungen von Robert Axelrod sehr interessant, die er in „Die Evolution der Kooperation“ beschrieben hat.

    Für Reformer, die eine kooperative Welt be- fördern wollen, formuliert Axelrod folgende Empfehlungen, die er in seiner Beratungstätigkeit für UNO, Weltbank und Pentagon eingesetzt hat:
    * Interaktionen häufiger machen (Wiederholung
    fördert Vertrauen.)
    * Verhandlungsgegenstand in mehrere kleine Ver-
    handlungsgegenstände aufspalten (das führt zu
    häufigeren Verhandlungen)
    * Unterweisungen in Sachen Reziprozität durch-
    führen (was die Frage nach einem Schulfach Kooperation/Kommunikation aufwirft)
    * Rahmenbedingungen ändern (der Nutzen bei einer langfristigen Kooperation muss größer sein, als bei einer kurzfristigen Defektion.)

    Hab das mal in einem Text zum Homo Oeconomicus verbraten: http://www.dreigliederung.de/download/2008-12-001.pdf

  3. Ja wir erleben eine Systemkrise, allerdings eine sehr reale und materielle. Eine Krise des Wirtschaftssystem. Ein System, welches auf Konkurrenz und grenzenloser Ausbeutung von Arbeitskraft und Ressourcen beruht. Über dieses System gibt es schon lange sehr ausführliche Erkenntnisse. Die angesprochenen Probleme sind ohne Änderung eben dieses Wirtschaftssystem nicht zu lösen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Wieviel ist: *