Informed Cities Forum kommt nach Dresden

Das Informed Cities Forum (ICF) ist eine Konferenz unter dem Dach von ICLEI (Local Governments for Sustainability) und wird jedes Jahr in einer anderen Europäischen Stadt veranstaltet. Das inzwischen fünfte ICF findet vom 16. bis 17. Juni in Dresden statt.

Das Informed Cities Forum findet 2016 in Dresden statt. Bild: http://informed-cities.iclei-europe.org
Das Informed Cities Forum findet 2016 in Dresden statt.
Bild: DML-BY Jan Wiedemann

Zusammen mit dem Dresdner Forscherteam des ARTS Projektes am Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) bestehend aus Franziska Ehnert, Kristin Reiß, Andreas Blum und Markus Egermann war ich im März 2015 mit auf dem letzten ICF in Rotterdam. Die zweitägige Konferenz war eine innovative, vielfältige und gut durchmischte Veranstaltung und ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte.

Nach diesem Erlebnis wollte das ARTS Team dieses Zusammentreffen von Forscherinnen, Verwaltungsmitarbeitern und Aktiven in die Landeshauptstadt holen. Ich habe die vier und ihre wissenschaftlichen Hilfskräfte Esther Heinke und Philip Harms als Mit-OrganisatorInnen des ICF 2016 gefragt, wie und warum es dazu kam und was sie sich von der Konferenz erhoffen.

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Die Anmeldung für das diesjährige ICF ist noch offen!


Ihr habt Euch als ARTS Team Dresden für die Austragung des ICF im Juni 2016 in Dresden ausgesprochen. Was hat Euch dazu bewegt?

Wir finden, dass das ICF eine spannende Mischung von Akteuren aus der Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Stadtverwaltung und –politik und auch aus dem unternehmerischen Bereich zusammen bringt. Einige von uns sind bereits zum dritten Mal auf einem ICF! Uns gefällt dabei, dass die Konferenz stets einen regen und inspirierenden Austausch zum Thema nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung ermöglicht.

Besonders die Vielfalt der Akteursgruppen aus Forschung, Politik und Praxis ermöglicht es allen Teilnehmern dabei, über den Tellerrand zu schauen und sich von Pionierprojekten, Best Practice Beispielen, motivierenden Erfahrungsberichten aber auch aktuellen Forschungsergebnissen Inspiration für die eigenen Aktivitäten vor Ort mit nach Hause zu nehmen.

Letztendlich war Markus und das gesamte ARTS Team so begeistert vom ICF 2015 in Rotterdam, dass wir so eine Veranstaltung unbedingt nach Dresden holen wollten! Wir wollten genau diese Vielfalt an Inspirationen für die Stadtregion Dresden von außen hierher holen.

Worum geht es bei einem ICF für Euch? Wie würdet Ihr die Idee eines ICF erklären?

Die Initiative der Informed Cities Foren ist eine Europäische Initiative von ICLEI, einem Zusammenschluss von über 1.000 Kommunen in Europa und der Welt, die ihre Regionen nachhaltiger gestalten wollen. Das Format des Informed Cities Forum möchte dabei die Informationslücken zwischen Nachhaltigkeitsforschung, Lokalpolitik und verschiedensten Aktiven schließen. Dieser Zusammenschluss passiert real und lokal und schaut sich dabei immer auch konkrete Beispiele am Veranstaltungsort an.

Die Idee eines Informed Cities Forums ist also, dass sich Visionäre, Erforscher und MacherInnen an einem spannenden Ort treffen, um gemeinsam die Europäischen Städte der Zukunft zu gestalten.

Das Motto des diesjährigen ICF lautet „Menschen, Macht und Mitbeteiligung – Bündnisse schließen für einen nachhaltigen städtischen Wandel”. Wie ist es dazu gekommen?

Dieser Titel ist inspiriert von den Forschungsergebnissen innerhalb des ARTS-Projektes und wurde mit den anderen ARTS-Teams in Brighton, Budapest, Genk und Stockholm abgestimmt.

Bei den Forschungsergebnissen haben wir unter anderem die Bedeutsamkeit der einzelnen Aktiven, Initiativen und Kooperationen für eine städtische Entwicklung in Richtung Nachhaltigkeit betont. Die Frage nach den existierenden (Macht-)Strukturen kann dabei aber nie außer Acht gelassen werden.

Woher kommen die TeilnehmerInnen und mit wie vielen Menschen rechnet Ihr?

Wir erwarten ungefähr 120 Personen und bekommen maximal 150 Personen unter. Die TeilnehmerInnen kommen überwiegend aus Ländern in der EU und arbeiten in und für die Forschung, Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wirtschaft.

Es gibt auch eine Obergrenze für den Anteil deutscher Teilnehmerinnen, denn der Schwerpunkt liegt auf der überregionalen Vernetzung der Akteure.

Wie wäre das ICF 2016, wenn es in Euren Augen rundum gelungen wäre?

Das ICF 2016 wäre unserer Meinung nach perfekt, wenn nachher alle Teilnehmenden begeistert sind über die Initiativenvielfalt in Dresden und sie sich viele inspirierende Beispiele von deren Ansätzen und Arbeitsweisen mit nach Hause nehmen können.

Wir würden uns freuen, wenn es gleichzeitig den Dresdner Nachhaltigkeitsinitiativen viele neue Kontakte und Kooperationspartner vermitteln kann.

Es wäre großartig, wenn die Stadtverwaltung und –politik Dresdens die 2-tägige Konferenz zum Anlass nimmt, um Ideen aus anderen europäischen Städten zum Thema Nachhaltigkeit aufzugreifen und deren Umsetzung hier in Dresden fördert.

Im Idealfall gefällt der Stadtverwaltung und –politik Dresdens der Ansatz des Informed Cities Forum so gut, dass sie das Konzept für sich adaptieren und sich aller 2 Jahre Pioniere des Wandels aus Europa oder sogar weltweit einladen. So könnten die Dresdner von ihnen lernen (und umgekehrt) und Dresden mehr und mehr zu einer nachhaltigen Stadtregion entwickeln

Wir freuen uns darauf, Dresden für die Zeit des Forums ein kleines bisschen bunter zu machen und gleichzeitig Menschen aus anderen Ländern zu zeigen, dass in Dresden und Sachsen – abseits der negativen Schlagzeilen – viele tolle Menschen gemeinsam mit Menschen aus der ganzen Welt an spannenden und zukunftsfähigen Projekten arbeiten.

Was sind eure konkreten Aufgaben bei der Vorbereitung des ICF im Juni in Dresden?

Puh, jede Menge! Wir bereiten die einzelnen Workshops vor und laden PartnerInnen dafür einladen. Wir suchen spannende SprecherInnen und lotsen sie auf das ICF. Wir sprechen uns mit ICLEI und DRIFT sowie den ARTS Projektpartnern zur genaueren Planung ab und gestalten das Programm. Aber Programmvorschläge oder Ideen für spannende Sprecher sind immer noch willkommen! Wenn Ihr einen Vorschlag machen wollt, dann sendet ihn uns bitte an arts@ioer.de.

Mit dem ganzen Forum wollen wir auch – mal wieder – die Vernetzung der Akteure innerhalb Dresdens fördern. Deswegen laden wir Vertreter aus der Dresdner Stadtverwaltung und –politik sowie aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft persönlich ein und informieren die Öffentlichkeit über Pressemitteilungen. Wir planen auch deswegen die Abendveranstaltung im Rosenwerk und in Absprache und Koordination mit den beteiligten Partnern Konglomerat e.V., Tagträumer e.V. und Hackenberg Genusswerke. Wir organisieren außerdem leckeres ökologisches Essen aus der Region für die Teilnehmenden.

Natürlich gehört auch viel Logistik zu unseren Vorbereitungen. Wir suchen und koordinieren geeignete Räume für die einzelnen Workshops, kümmern uns um die Infrastruktur und die technische Ausstattung und versuchen bei der ganzen Sache, den Gesamtüberblick zu behalten.

Und, wenn dann noch Zeit ist, beantworten wir Fragen für den ARTS-Blog 😉

Auf welche Schwierigkeiten stoßt Ihr bei der Vorbereitung? Was läuft besser als erwartet?

Die Schwierigkeiten auf die wir stoßen sind eher technischer Art. Eines der Ziele des ICF ist es, sich abseits ausgetretener Pfade zu bewegen. So haben wir zum Beispiel Veranstaltungsorte ausgewählt, die nicht unbedingt für solche Großereignisse ausgelegt sind. Die Konferenz selbst findet ja in der St. Pauli Ruine statt, die Abendveranstaltung in den Räumen des Rosenwerkes. Das bedeutet für uns, dass wir improvisieren müssen was bestimmte Anforderungen wie schnellen Internetzugang oder 150 Sitzmöglichkeiten usw. angeht. Aber wir sind dabei sehr begeistert von der harmonischen und inspirierenden Kooperation mit allen Partnern!

Orte des Wandels - Hauptveranstaltungsort des Informed Cities Forum 2016 ist die St. Pauli Ruine Bild: Theaterruine St. Pauli e.V.
Orte des Wandels – Hauptveranstaltungsort des Informed Cities Forum 2016 ist die St. Pauli Ruine
Bild: Theaterruine St. Pauli e.V.

Es ist leider unverhofft schwierig, VertreterInnen aus der Stadtverwaltung Dresden für das ICF zu gewinnen, da diese einen unglaublich vollen Terminkalender haben.

Es ist leider auch nicht so einfach, Vertreter aus internationalen Nachhaltigkeits-Initiativen zur Vorstellung Ihrer Arbeit zu gewinnen. Die Aktiven sind oft ehrenamtlich tätig und deshalb immer sehr knapp mit der Zeit. Nicht umsonst ist eine sehr ernst zu nehmende Forderung auf dem Weg zu nachhaltiger Entwicklung, die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens, auch zur Ermöglichung nicht-marktkonformer Kreativität, Innovations- und Entwicklungsarbeit.

Was sind Eure persönlichen Favoriten im bisher feststehenden Programm und warum?

Ganz klar, die geplanten Exkursionen innerhalb Dresdens! Das wird spannend, weil sich die Teilnehmenden dabei durch die Stadt bewegen werden, die lokale Nachhaltigkeitspioniere treffen und mit diesen Ideen spinnen, Erfahrungen austauschen können und vielleicht sogar neue Ideen finden werden. Diese Ideen eignen sich dann vielleicht sogar als Ansatzpunkte für unsere Transition Roadmap für Dresden – also eine Landkarte möglicher Wege zu nachhaltiger Entwicklung.

Einer unserer Favoriten ist ganz klar noch die Abschlussveranstaltung! Denn außer dem Austausch wollen wir auch etwas in Dresden anstoßen und hinterlassen. Dafür sind wir noch auf der Suche nach einer Aktion, die wir zusammen mit 150 Menschen machen können. Sie sollte einen runden Abschluß für die Konferenzteilnehmer*innen bieten und gleichzeitig ein inspirierendes Signal an die Stadtregion senden. Wir überlegen zum Beispiel eine lokale Initiative konkret bei ihren Aktivitäten zu unterstützen. Wenn Ihr Ideen dafür habt, dann sendet sie bitte wieder an arts@ioer.de

Das diesjährige ICF bildet auch einen der letzten offiziellen Auftritte für das ARTS Projekt, das Projekt geht aber noch bis November 2016 weiter. Welche Rolle und welchen Raum wird das ARTS Projekt auf dem ICF spielen bzw. einnehmen? Und, was wird von dem ICF noch in das ARTS Projekt einfließen können?

Ohne dass explizit ARTS drauf steht, ist ganz viel ARTS drin. Im Programm haben wir explizit einen einstündigen Block für ARTS reserviert und werden in diesem auch auf unsere Forschungsergebnisse Bezug nehmen.

Wir erhoffen uns aus den Stadtexkursionen und den Vorstellungen unserer Ergebnisse noch neue Impulse für unsere regionale Transition Roadmap.

Und übrigens ist nicht nur ARTS, sondern auch „arts“ drin: Die Exkursion „Die Ästhetik des Wandels“ behandelt die Rolle von Kunst und Kultur auf dem Weg zu nachhaltiger urbaner Entwicklung. Einer der Akteure, die im Workshop von ihren Ideen und Erfahrungen im Spannungsfeld Kunst / (für) Nachhaltigkeit / nachhaltige Kunst berichten werden ist die Gruppe Stories of Change. Zusammen mit Stories of Change veranstaltet das Dresdner ARTS-Team jetzt mittlerweile das zweite Jahr einen Videowettbewerb, bei dem lokale Nachhaltigkeits-Akteure sichtbar gemacht werden und ihre Geschichte des Wandels einer breiten Öffentlichkeit erzählen können.

Was erhofft ihr Euch von dem ICF für die Entwicklung der Stadt Dresden?

Lichtblicke, Inspiration und immerhin einen Bezugspunkt für das Denken von Alternativen.


Ich bin schon gespannt, wie sich ein Informed Cities Forum in Dresden anfühlen wird und was die Nachhaltigkeitsakteure aus Europa in der Zukunft „meiner“ Stadt sehen.

Vielen Dank für Eure Zeit und Eure Antworten!

Wenn Ihr über das kommende Informed Cities Forum auf dem Laufenden bleiben wollt, dann schließt Euch der Facebook-Gruppe Informed Cities an oder folgt @ARTS_EU und dem #informedcities

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