Radio an

Der Regen fällt, das Radio läuft. Nach Sörens fulminanten Start des Transition Radio habe auch ich mich auf die Suche nach Liedern, Melodien und Texten gemacht, die ich mit dem Wandel verbinde. Herausgekommen ist eine Mischung aus Liedern, die mich wach rütteln, weiten und weiter gehen lassen. Da ich Musik auch oft wegen den Texten mag, habe ich bei einigen die meiner Meinung nach besten Zeilen mit raus geschrieben. Hier findet ihr also meine derzeitigen neun Favoriten plus eins 🙂

Lautsprecher an, ein Blick aus dem Fenster und wir legen los! Das erste Stück auf meiner List ist „Eyes wide open“ von Gotye, einem Musiker aus Belgien und Australien. Dieses Lied beschreibt ein Gefühl in mir, dass mich manchmal erfasst, wenn ich über unsere derzeitige westliche Gesellschaft, ihre Probleme und ihre Einstellung nachdenke. Die Zeilen, die mich am meisten bewegen sind

And the saddest thing
Is all of it could have been avoided
But it was like to stop consuming’s
to stop being human
And why’d I make a change if you won’t?
We’re all in the same boat
Staying afloat for the moment

We walk the plank with our eyes wide open…

Wenn ich dann so richtig schön pessimistisch bin wegen all unseren derzeitigen Krisen und Herausforderungen und nicht weiß, womit sich die kommenden Generationen unseretwegen werden herumschlagen müssen, hilft es mir manchmal, in die Vergangenheit zu schauen. Eines meiner immerwährenden Favoriten mit Gänsehautgarantie dabei ist „Times they are a-changing“ von Bob Dylan. Wenn ich für die damalige Zeit revolutionären Worte höre, denke ich an all die Menschen vor uns, die die Welt um sich herum verändern wollten und das auch geschafft haben. Ich denke daran, wie viel sich schon seit Bobs Jugend geändert hat (rauchende Cowboys im Fernsehen… im Ernst?). Ich werde mir wieder bewusst, dass sich manches erst über Jahrzehnte hinweg ändert. Manches vielleicht aber auch nie. Eine meiner Lieblingsstellen im Lied ist

And admit that the waters around you have grown
And accept it that soon you’ll be drenched to the bone
If your time to you is worth saving
Then you’d better start swimming or you’ll sink like a stone
For the times, they are a changing

Als nächstes hört ihr „Taro“ von alt-J aus Großbritannien, hier mit wunderschönen Filmausschnitten von dem irgendwie passend betitelten Film „Life in Tranformation“ von 1988. Die Bilder erinnern mich an meine Reisen und an all die verschiedenen Menschen auf diesem einen, unserem einzigen, Heimatplaneten. Es inspiriert mich all die verschiedenen Arten des Da-Seins auf dieser Erde zu sehen und gibt mir Hoffnung, das wir als Menschheit anpassungs- und wandlungsfähig sind. Die Zeilen im Lied sind nicht so leicht zu verstehen, doch auf Recherche habe ich so über die Lebensgeschichten der zwei Kriegsfotografen Gerda Taro und Robert Capa erfahren. Beide starben bei ihrer Arbeit, die den Menschen die Realitäten des Krieges zeigen sollte und ich bewundere ihren Mut, ihren Enthusiasmus und ihre Konsequenz.

 Wenn ich das Gefühl habe, dass es an allen zu vielen Stellen brennt und zu viele Probleme gleichzeitig nach Lösungen verlangen, dann hilft es mir etwas auf den Ohren zu haben, was mich wieder durchatmen lässt. Das Lied „Rise“ von Eddie Vedder lässt mich dann wieder Boden unter den Füßen spüren, entspannt mich wieder, gibt mir Zuversicht und Mut. Die Bilder dazu hier im Clip sind aus dem bekannten Film „Into the wild“ und erinnern mich an schöne Momente, die ich in und mit der Natur hatten und gibt mir eine Ahnung von der Verbundenheit mit ihr zurück.

Gonna rise up
Turning mistakes into gold…

Gonna rise up
Find my direction magnetically

Wenn dann meine produktive *Yeah*-Stimmung wieder da ist lohnt sich ein bisschen Hintergrundmusik. Mit „With my own two hands“ von Ben Harper habe ich damit schon gut Erfahrungen gemacht, zum Beispiel beim tagelangen Aufbau eines geodäsischen Domes auf der Europäischen Permakultur Convergence im Sommer 2012. Immer wieder gut zu hören ist

I can change the world
With my own two hands…

And I can reach out to you
Oh- with my own two hands

Was mich inspiriert und motiviert sind auch die (Erfolgs)Geschichten von anderen. „From little things big things grow“ von Paul Kelly erzählt eine australische Geschichte des friedlichen Protestes für mehr Rechte und Freiheit. Der Aboriginal Vincent Lingiari von den Gurindji in den Northern Territories Australiens hatte einen acht lange Jahre andauernden Streik für die Landrechte der Aboriginals organisiert. Die Bewegung wuchs und erreichte im Jahr 1976 die Rückgabe von 1.295 Quadratkilometern traditionellen Landes. Das kleine Dinge wachsen können hilft mir Geduld üben und auch die kleinen Veränderungen wertschätzen, denn wer weiß, wie sich diese kleinen Dinge in der Zukunft entwickeln werden? Das Fazit des Liedes ist

That was the story of Vincent Lingiari
But this is the story of something much more
How power and privilege can not move a people
Who know where they stand and stand in the law

Mit dem nächsten Stück bleiben wir auf dem selben Kontinent und rutschen so richtig schön in die Permakultur rein, ein Exportschlager aus Australien. Das grandiose Formidable Vegetable Sound System singt „Many, Many“ für uns und obwohl es vordergründig um Artenvielfalt und eine gesunde Darmflora geht, erinnert es mich an mein Jahr in Melbourne mit vielen tollen Menschen aus der ganzen Welt und mit viel Permakultur. Diese Mischung erleben zu dürfen war ebenso herausfordernd wie bereichernd und horizonterweiternd. Es betrübt mich, dass gerade viele Menschen in meiner Heimat „fremd“ mit „schlecht“ assoziieren und sich die einmalige Chance entgehen lassen, etwas voneinander zu lernen. Vielleicht sollten sie alle öfter dieses Lied hören, in dem Charlie Mgee singt

Diversity is your friend

Das vorletzte Lied aus meiner Liste ist „23:55 Alles auf Anfang“ von der Wortfechtern von Wir sind Helden. Es geht um die Resignation oder eben die Nicht-Resignation im Angesicht all unserer Herausforderungen der Zukunft. Ist es fünf vor zwöfl und alles zu spät? Oder lieber alles auf Anfang?

Fühlst du dich mutlos
Fass endlich Mut los
Fühlst du dich hilflos
Geh raus und hilf los
Fühlst du dich machtlos
Geh raus und mach los
Fühlst du dich haltlos
Such halt und lass los

Ihr sagt
„Kein Ende in Sicht“
Wir sagen
„Fünf vor Zwölf – Alles auf Anfang“

Zum Schluss noch ein Stück ohne Worte, denn Worte sind bei weiten nicht alles. „Miracle“ von Blackmill klingt wie ein sonniger Sommermorgen in meinen Ohren, schenkt mir Dankbarkeit und die Erkenntnis, dass letztendlich alles, was uns in unserem Leben widerfährt ein Wunder ist und eine Einladung, daran zu wachsen. Also, schließt die Augen, spitzt die Ohren und öffnet euch für die alltäglichen Wunder.

***********************Bonus-Track***********************

Danke an Sören für die Erfindung des Transition Radio und danke an alle, die bereits ihre Musik des Wandels mit uns geteilt haben. Einen richtigen hartnäckigen Ohrwurm hat mir dabei das von Gregor vorgeschlagene „Hurra, die Welt geht unter“ von K.I.Z. verpasst. Sonst nicht so ein Hip-Hop-Fan hätte ich das wohl sonst nie gefunden 😉 Wenn auch zum Teil etwas plakativ finde ich die Texte knackig und wirklich mal visionierenswert…

In diesem Sinne: Ohren auf, Herzen auf, Radio an. Was läuft bei euch?

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