Elbtaler im Lose
Photo: Benjamin Hermsdorf

Und mit Geld spielt man doch

Am 26. Juni trafen sich im verpackungsfreien Lose Laden in der Neustadt Vertreter, Benutzer und Interessierte des Regionalgeldes in Dresden. Der Elbtaler stellte sich vor und stand Rede und Antwort.

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Was passierte, als Geld vom Tauschmittel für die Wirtschaft zum Zweck der Wirtschaft wurde? Wer profitiert davon? Und wer verliert? Wie gestalten wir durch unser Konsumverhalten die Wirtschaft mit? Und was tut eine Regionalwährung eigentlich für die Region?

Diesen und anderen Fragen gingen am Freitagabend vergangener Woche etwa 15 Menschen nach. Wir trafen uns im Lose Laden, in dem Organisator Benjamin Hermsdorf (Stories of Change) durch den Abend führte. Neben der Lose-Besitzerin Berit Heller saßen Elbtaler-Mitbegründer Norbert Rost und Inhaber des Naturkostfachgeschäftes Nahrungsquell Frank Großkopf mit auf der Couch.    

Frank Großkopf, Norbert Rost und Berit Heller auf der Couch Photo: Benjamin Hermsdorf
Thomas Klemm vom Elbtaler und Frank Großkopf, Norbert Rost und Berit Heller auf der Couch
Photo: Benjamin Hermsdorf

Alle konnten ihre Fragen auf Zettel schreiben, die dann von Benjamin an die drei auf der Couch weitergereicht wurden. Der ganze Abend wurde von Antje Dennewitz grafisch festgehalten.

Bildgewaltige Mitschrift durch Antje Dennewitz Photo: Benjamin Hermsdorf
Bildgewaltige Mitschrift durch Antje Dennewitz
Photo: Benjamin Hermsdorf

Berit Heller erklärte, wie die Idee zu ihrem seit April 2015 bestehenden Laden entstand und wie sie die Startfinanzierung über Crowdfunding realisierte. Norbert Rost zeigte die schrittweise Entwicklung des Elbtalers in den letzten Jahren auf und betonte den experimentellen Charakter einer solchen selbstgestalteten Währung. Frank Großkopf erzählte von der Anwendung des Elbtales im Geschäft mit seinen Zulieferern und mit den Kunden im Laden. Sogar einen mitarbeiterfreundlichen Arbeitsablauf zur produktgenaue Abrechnung der Mehrwertsteuer in Euro und Elbtaler hat er entwickelt. Er schätzt dabei die Formbarkeit einer Regionalwährung.

Durch Regionalgeld können wir Geld wieder als Gestaltungsmittel erleben und nicht nur als ein aufgezwungenes System, dessen Regeln wir zu befolgen haben. Regionalgeld ermöglicht es mir, mein Gewerbe und unsere Region selbständiger zu gestalten. Frank Großkopf

Pausendiskussion vor dem Lose Laden Photo: Benjamin Hermsdorf
Pausendiskussion vor dem Lose Laden
Photo: Benjamin Hermsdorf

Geld ist ein kompliziertes Thema. Wenn man durchsehen will bei Bankenrettungen, Eurokrise und Spekulationsblasen, muss mensch einiges von der Materie verstehen. So scheint es zumindest.

Regionale Währungen, auch Regiogelder genannt, sind eine Antwort auf die ungleiche Verteilung und die Benachteiligung lokaler Wirtschaftskreisläufe durch globale Finanzmärkte. Zur Zeit gibt es laut dem Regionetzwerk etwa 26 Regiogelder im deutschsprachigen Raum. Der Elbtaler ist eines davon.

Seit 2005 gibt es den Verein mit derzeit 80 Mitgliedern, der den Elbtaler ins Leben und in die Taschen der Dresdner bringen möchte. Dabei wurden zunächst bewusst nur interessierte regionale Firmen und Gewerbetreibende als Mitglieder aufgenommen. Sie erhielten daraufhin ein Startguthaben in Elbtalern und sollten mindestens 20% ihrer Geschäfte in Elbtalern abwickeln. Die digitale Infrastruktur dazu wie Konten und Überweisungsformulare stellt der Verein zur Verfügung. Derzeit handeln bereits 58 Firmen in Dresden mit Elbtalern.

Jetzt steht der Verein und seine Mitglieder kurz vor dem nächsten großen Schritt: Sie wollen Geld drucken! Ab Herbst diesen Jahres soll es den Elbtaler für die Geldbörse geben. Durch die Scheine können dann auch Endverbraucher leichter mit den Elbtalern handeln und die lokale Wirtschaft unterstützen.

Wird irgendwann alles in Dresden mit Elbtalern bezahlbar sein? Kann ich als freischaffende Musikerin meinen Lebensunterhalt mit Elbtalern sichern? Wie, der Elbtaler verliert mit der Zeit an Wert? Die Fragen aus dem Publikum waren vielfältig und wurden gemeinsam besprochen.

Pausengespräche auf der Couch Photo: Benjamin Hermsdorf
Gespräche auf der Couch
Photo: Benjamin Hermsdorf

Norbert Rost und Frank Großkopf sehen im Elbtaler eine krisenfestere Währung, die lokales Wirtschaften auch bei einer globalen Finanzkrise möglich machen könnte. Gleichzeitig macht überregionaler Handel mit oder eine Steuererklärung in Elbtalern für die beiden zur Zeit wenig Sinn. Für Gewerbetreibende eröffnen sich durch den Elbtaler neue Kundenströme und Netzwerke. Den Kunden gibt Regionalgeld die Sicherheit, mit dem Einkauf die lokale Wirtschaft zu unterstützen. Elbtaler werden ausschließlich in der Region ausgegeben, was Arbeitsplätze und Wohlstand erhält und den lokalen Markt stabilisiert. Dass der Elbtaler mit der Zeit an Wert verliert, ist etwas, wofür sich die Europäische Zentralbank  seit 2014 bei dem Euro stark macht. Den Machern des Elbtalers leuchtete dieser sogenannte Negativzins schon vor Jahren ein. Norbert Rost und andere nennen es versöhnlich „Guthabengebühren„. Damit soll der Anhäufung von Geld vorgebeugt, Geld als Tauschmittel erhalten und am zirkulieren gehalten werden.  Geld soll wieder als Mittel zum Zweck wahrgenommen werden, nicht als Zweck an sich.

Fragen besprechen mit dem Publikum Photo: Benjamin Hermsdorf
Inspiriertes Publikum
Photo: Benjamin Hermsdorf

Um genau das zu verdeutlichen, hatte Benjamin noch ein Spiel vorbereitet. Er hatte verschiedene Waren auf Kärtchen geschrieben, von denen alle Mitspieler zehn Stück bekamen. Da standen Dinge wie Papier, Rucksack, Lastenfahrrad und Mauer, um nur einige zu nennen. Außerdem bekam jeder zwei Aufgabenkarten, auf denen die Güter verzeichnet waren, die man zur Erfüllung dieser Aufgabe brauchte. Ich sollte zum Beispiel auf Reisen gehen und brauchte dafür einen Rucksack, einen Kompass und ein Reisetagebuch.

Norbert Rost braucht eine Ballonfahrt - Spielen mit Geld Photo: Benjamin Hermsdorf
Norbert Rost braucht eine Ballonfahrt – Spielen mit Geld
Photo: Benjamin Hermsdorf

In der ersten Runde des Spiels sollten alle Spieler durch Tauschhandel an die von ihnen benötigten Waren kommen. Ein reger Austausch brach los, alle suchten bei den anderen die passenden Waren und hofften, das der Gegenüber etwas aus dem eigenen Vorrat an Waren brauchen würde, damit der Handel zu stande kommt. Viele Bekanntschaften und Kontakte entstanden, während der Handel an sich langsam voranging.

In einer zweiten Runde kam dann Geld ins Spiel und die Spieler beobachteten, was sich dadurch bei den zwischenmenschlichen Geschäften änderte. Das Handeln wurde von den eigentlichen Waren unabhängiger und beschleunigte sich. Es musste nicht mehr so viel gefeilscht werden wie vorher. Manche Teilnehmer hatten auch Hemmungen, das Geld auszugeben oder anzunehmen und handelten weiterhin mit Waren. Die Erkenntnisse aus diesem Spiel waren zu unterschiedlich wie die Mitspieler. Einer meinte, er habe zum ersten Mal die Erfahrung gemacht, dass er Bedürfnisse auch ohne Geld befriedigen kann. Andere bevorzugten den direkten Tauschhandel, da man sich dabei ein Netzwerk aufbaut. Wieder andere mochten den schnellen Warenwechsel, den das Geld ermöglichte.

Geld regiert die Welt. Haben wir das Geld nicht erschaffen? Dann regieren wir das Geld… oder?

Wenn du den Elbtaler e.V. bei der Umsetzung der nächsten Schritte unterstützen oder mehr erfahren möchtest, dann informiere dich hier.

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